EFT in der Einzeltherapie: was EFIT bei Depression und Angst leistet
Das Modell, die erste randomisierte Studie und die Abgrenzung zu verwandten Verfahren.
Kurzantwort: EFIT steht für Emotionally Focused Individual Therapy und ist die Einzeltherapie-Variante der von Sue Johnson entwickelten Emotionsfokussierten Therapie. EFIT liest psychische Symptome wie Depression, Angst und Selbstwertprobleme als Folge unsicherer Bindungserfahrungen und arbeitet mit derselben Makro-Intervention wie die Paartherapie, dem EFT-Tango. Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 88 Teilnehmenden zeigte 2025 signifikante Reduktionen von Depressions- und Angstsymptomen nach 15 Sitzungen.
Wer die Emotionsfokussierte Paartherapie kennt, kennt die Situation: Ein Paar arbeitet gut, dann fällt eine Person weg: wegen einer Trennung, wegen Widerstands, wegen eines Terminproblems. Zurück bleibt eine Person mit demselben Bindungsthema und ohne das Setting, in dem man es bearbeiten könnte.
EFIT ist die Antwort auf diese Situation. Und sie ist mehr als ein Notbehelf.
Drei Abkürzungen, die verwechselt werden
Bevor es um Inhalte geht, eine Klärung, die in der Praxis regelmässig nötig ist.
| Kürzel | Voller Name | Herkunft | Worum es geht |
|---|---|---|---|
| EFT (Klopfen) | Emotional Freedom Techniques | Gary Craig, 1990er | Klopfen auf Akupunkturpunkte; hat mit dem hier Beschriebenen nichts zu tun |
| EFT / EFCT | Emotionally Focused (Couple) Therapy | Sue Johnson & Les Greenberg, 1980er | Bindungsbasierte Paartherapie |
| EFIT | Emotionally Focused Individual Therapy | Sue Johnson, ausgearbeitet ab 2019 | Dieselbe Theorie und dieselbe Makro-Intervention im Einzelsetting |
| EFFT | Emotionally Focused Family Therapy | aus demselben Modell | Familiensetting, Eltern-Kind-Bindung |
Ein weiterer Stolperstein: Leslie Greenbergs Emotion-Focused Therapy teilt Wurzeln und Namen mit der EFT, ist aber ein eigenständiges Modell mit anderer Schwerpunktsetzung. In der Literatur ist die Unterscheidung an der Autorenschaft ablesbar.
Warum Bindung im Einzelsetting funktioniert
John Bowlby hielt fest, dass Bindungsbedürfnisse «von der Wiege bis zum Grab» aktiv bleiben. Die Bindungsfigur muss dafür nicht im Raum sitzen. Sie ist als inneres Arbeitsmodell anwesend, in der Art, wie jemand sich selbst beruhigt, wie er Nähe deutet, wie er auf Zurückweisung reagiert.
Susan Johnson hat diesen Gedanken in einem Buchkapitel über Bindungstheorie und EFT für Einzelne und Paare ausgeführt: Die experienziellen Therapien und Bowlbys Theorie teilen den Fokus darauf, wie Menschen mit Basisemotionen umgehen, wie sie sich auf dieser Grundlage auf andere beziehen und wie sie daraus fortlaufend ein Selbstbild konstruieren (Johnson, 2009).
In EFIT arbeitet man deshalb mit Bindungsfiguren, die nicht anwesend sind: mit dem Selbst, mit einem jüngeren Anteil des Selbst, mit der Therapeut:in als vorübergehender sicherer Basis, mit einer imaginierten Bezugsperson. Im Modell bleibt das keine Symbolarbeit. Es wird zu einer gegenwärtigen emotionalen Erfahrung.
Die erste randomisierte Studie
Lange war EFIT klinisch beschrieben und empirisch dünn belegt. Das hat sich geändert.
Stephanie Wiebe, Susan Johnson und Kolleg:innen legten 2025 in Psychotherapy eine randomisierte kontrollierte Studie vor. 88 Personen, die die Diagnosekriterien einer Major Depression mit komorbider Angststörung erfüllten, wurden zufällig einer EFIT-Gruppe mit 15 Sitzungen (n = 44) oder einer 15-wöchigen Wartelistenkontrolle (n = 44) zugeteilt. Erhoben wurde mit dem Outcome Questionnaire 30.2 sowie den PROMIS-Skalen für Depression und Angst.
Die Mehrebenenanalyse ergab über alle Masse hinweg unterschiedliche Verlaufskurven zwischen Behandlungs- und Kontrollgruppe, mit signifikanten Reduktionen der allgemeinen Symptombelastung sowie der Depressions- und Angstsymptomatik über 15 Wochen (Wiebe et al., 2025).
Das ist eine Studie, kein Forschungsprogramm. Für ein Modell, das sich aus einem gut beforschten Paartherapieansatz herleitet, ist es der erwartbare erste Beleg, und der erste, den man in einem Fachgespräch zitieren kann.
Der EFT-Tango als gemeinsame Klammer
Was EFCT, EFIT und EFFT verbindet, ist eine Abfolge von fünf Bewegungen, die Sue Johnson EFT-Tango genannt hat. Sie wiederholt sich in jeder Sitzung, auf jeder Ebene, in jeder Modalität.
- Den gegenwärtigen Prozess spiegeln: Was passiert gerade zwischen uns, im Körper, im Erleben?
- Den Affekt zusammensetzen und vertiefen: Wahrnehmung, Körperempfindung, Bedeutung, Handlungsimpuls zu einem vollständigen Erleben verbinden.
- Eine neue Begegnung choreografieren: Das vertiefte Erleben wird ausgedrückt: gegenüber dem Partner, dem inneren Anteil, der imaginierten Bindungsfigur.
- Die Begegnung verarbeiten: Wie war das? Was ist dabei passiert?
- Integrieren und validieren: Das Erlebte wird eingeordnet und als sinnhaft anerkannt.
Im Einzelsetting fällt Bewegung drei am schwersten. Es gibt kein Gegenüber, das antwortet. Genau daran wird in der Ausbildung geübt.
Wie Symptome bindungstheoretisch gelesen werden
EFIT ersetzt keine Diagnostik, es ergänzt sie um eine Frage: Wofür ist dieses Symptom eine Lösung gewesen?
Depression erscheint dann als Folge wiederholter Erfahrungen von Hilflosigkeit und Unerreichbarkeit. Angst erscheint als chronische Aktivierung des Bindungssystems ohne verfügbare sichere Basis. Selbstwertprobleme erscheinen als verinnerlichtes Urteil aus Beziehungen, in denen jemand nicht willkommen war.
Für die Traumaarbeit hat Susan Johnson früh formuliert, worauf das hinausläuft: Emotionale Bindung sei der wichtigste Schutz gegen Gefühle von Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit. Nähe zu einer Bindungsfigur beruhigt das Nervensystem. Paul Greenman und Susan Johnson haben diesen Gedanken für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung im Paarsetting ausgearbeitet, mit Sitzungsmaterial und klinischen Empfehlungen (Greenman & Johnson, 2012).
Für wen sich EFIT eignet
EFIT ist keine Methode für einen abgegrenzten Störungsbereich, sondern ein Rahmen für die Arbeit mit emotionalen Prozessen. Nützlich ist er besonders dort, wo eine Person:
- in der Einzeltherapie an Beziehungsthemen arbeitet, ohne dass die Partnerin oder der Partner beteiligt ist
- Symptome zeigt, die sich über kognitive Umstrukturierung allein nicht bewegen
- ihre Gefühle beschreiben, aber nicht erleben kann
- die Therapiebeziehung selbst als Übungsfeld für Nähe braucht
Für Fachpersonen, die bereits EFT-Paartherapie machen, kommt ein praktischer Nutzen dazu: Die Mikrointerventionen sind dieselben. Wer sie im Einzelsetting verlangsamt und isoliert übt, wird auch im Paarsetting präziser.
Häufig gestellte Fragen
Was ist EFIT?
EFIT (Emotionally Focused Individual Therapy) ist die Einzeltherapie-Variante der Emotionsfokussierten Therapie nach Sue Johnson. Sie versteht psychische Symptome bindungstheoretisch und arbeitet mit der fünfteiligen Makro-Intervention des EFT-Tangos.
Ist EFIT dasselbe wie EFT-Klopfen?
Nein. Emotional Freedom Techniques (Klopfakupressur nach Gary Craig) und Emotionally Focused Therapy sind verschiedene Verfahren ohne gemeinsame Grundlage. Die Namensähnlichkeit ist zufällig.
Gibt es Wirksamkeitsnachweise für EFIT?
Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 88 Teilnehmenden mit Major Depression und komorbider Angst zeigte nach 15 Sitzungen signifikante Symptomreduktionen gegenüber einer Wartelistenkontrolle (Wiebe et al., 2025). Die Evidenzbasis der Paarversion ist deutlich breiter (Wiebe & Johnson, 2016; Spengler et al., 2024).
Brauche ich ein Externship, bevor ich EFIT lernen kann?
Nein. EFIT Essentials setzt eine therapeutische Grundqualifikation voraus, aber keine EFT-Vorkenntnisse.
EFIT Essentials: das Einzeltherapie-Training
EFIT Essentials vermittelt die Grundlagen des Modells in Theorie und Praxis: Bindungsdynamiken erkennen, die EFT-Tango-Sequenz Schritt für Schritt anwenden, Depression, Angst und Selbstwertthemen bindungsbasiert einordnen. Gearbeitet wird mit Lehrvideos aus Schweizer Therapien, Rollenspielen und Kleingruppenübungen. Vorausgesetzt wird eine therapeutische Grundqualifikation, EFT-Vorkenntnisse sind nicht nötig.
«Den EFIT-Essentials-Kurs kann ich allen Therapeutinnen und Therapeuten empfehlen, die bindungsfokussiert arbeiten und schneller an den Kern von tiefen Verletzungen, Ängsten und Sehnsüchten kommen wollen.»
— Stefanie Pfister, Dipl. Psychologin FH, eidg. anerkannte Psychotherapeutin
Nächste Durchführungen
Oktober 2026
November 2026
April 2027
→ Termine, Preis und Anmeldung zu EFIT Essentials
Wer anschliessend mit Paaren arbeiten möchte, findet den Einstieg über das EFT Externship; den Überblick über alle Stufen gibt die Seite EFT Paartherapeut:in werden.

Über den Autor
Ben Kneubühler, MSc ist Psychotherapeut FSP, klinischer Sexologe iSi und seit 2025 einer der ersten vom International Centre for Excellence in Emotionally Focused Therapy (ICEEFT) zertifizierten EFT-Trainer der Schweiz. Er ist ausserdem zertifizierter EFT-Supervisor und EFT-Paartherapeut.
Er leitet die EFT-Ausbildung in der Deutschschweiz und führt Externships, Core Skills-Trainings, Supervisionen und Weiterbildungen durch. Als lizenzierter Workshopleiter bietet er Hold Me Tight-Paarseminare in Zürich, Bern und Luzern an. Ben Kneubühler ist Institutsleiter des ISP Zürich und Inhaber der Psychologe GmbH am Grossmünsterplatz in Zürich.
Praxis: Grossmünsterplatz 6, 8001 Zürich Schwerpunkte: Emotionsfokussierte Paartherapie, Sexualtherapie, Bindungsverletzungen, ADHS Web: eft-paartherapie.ch · der-psychologe.ch · isp-zuerich.ch · holdmetight.ch
Quellen
Greenman, P. S., & Johnson, S. M. (2012). United we stand: Emotionally focused therapy for couples in the treatment of posttraumatic stress disorder. Journal of Clinical Psychology, 68(5), 561–569. https://doi.org/10.1002/jclp.21853
Johnson, S. M. (2009). Attachment theory and emotionally focused therapy for individuals and couples: Perfect partners. In J. H. Obegi & E. Berant (Hrsg.), Attachment theory and research in clinical work with adults (S. 410–433). Guilford Press.
Johnson, S. M. (2019). Attachment theory in practice: Emotionally focused therapy (EFT) with individuals, couples, and families. Guilford Press.
Spengler, P. M., Lee, N. A., Wiebe, S. A., & Wittenborn, A. K. (2024). A comprehensive meta-analysis on the efficacy of emotionally focused couple therapy. Couple and Family Psychology: Research and Practice, 13(2), 81–99. https://doi.org/10.1037/cfp0000233
Wiebe, S. A., & Johnson, S. M. (2016). A review of the research in emotionally focused therapy for couples. Family Process, 55(3), 390–407. https://doi.org/10.1111/famp.12229
Wiebe, S. A., Johnson, S. M., Allan, R., Campbell, T. L., Greenman, P. S., Fairweather, D. R., Ismail, M., & Tasca, G. A. (2025). A randomized controlled trial of emotionally focused individual therapy (EFIT) for depression and anxiety. Psychotherapy, 62(3), 414–423. https://doi.org/10.1037/pst0000586
Stand: September 2026