Was ist emotions­fokussierte Paartherapie?

Wissenschaftlich fundiert, bindungsbasiert und weltweit bewährt – seit über 40 Jahren.

Kennen Sie das Gefühl?

Sie streiten immer wieder über dieselben Themen. Oder schlimmer: Sie reden gar nicht mehr über das, was wirklich zählt. Einer zieht sich zurück, der andere wird lauter – und am Ende fühlen sich beide einsam, obwohl sie unter einem Dach leben. Wenn Sie sich in diesem Bild wiedererkennen, sind Sie nicht allein. Und es gibt einen Weg heraus.

Die Emotionsfokussierte Paartherapie (EFT) ist ein wissenschaftlich fundierter Ansatz, der genau dort ansetzt, wo Beziehungsprobleme wirklich entstehen: nicht bei Kommunikationsfehlern oder unterschiedlichen Meinungen, sondern bei der emotionalen Verbindung zwischen Ihnen und Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Seit über 40 Jahren wird EFT weltweit erfolgreich eingesetzt – mit beeindruckenden Ergebnissen, die kaum ein anderer Therapieansatz erreicht.

EFT in Kürze

EFT wurde in den 1980er-Jahren von der kanadischen Psychologin Dr. Sue Johnson und Dr. Les Greenberg entwickelt. Der Ansatz verbindet Erkenntnisse aus der Bindungsforschung, der humanistischen Psychologie und der Systemtheorie zu einem klaren therapeutischen Modell. Die zentrale Einsicht: Liebe ist ein Bindungsbedürfnis – und die meisten Beziehungsprobleme sind im Kern Ausdruck von Bindungsunsicherheit.

Anders als klassische Paartherapien, die auf Kommunikationsregeln oder Problemlösungsstrategien setzen, geht die emotionsfokussierte Paartherapie tiefer. Sie hilft Paaren, die Gefühle hinter den Konflikten zu verstehen – und darüber eine neue, sichere Verbindung zueinander aufzubauen. Die Forschung zeigt: Paare, die sich emotional sicher verbunden fühlen, kommunizieren ganz natürlich besser und lösen Konflikte leichter – ohne spezielles Training.

Zwei Wege der EFT: Greenberg und Johnson

Nach ihrer gemeinsamen Pionierarbeit in den 1980er-Jahren entwickelten Greenberg und Johnson die EFT in unterschiedliche Richtungen weiter – beide mit bemerkenswertem Erfolg.

Leslie Greenberg vertiefte die Emotion-Focused Therapy (EFT) als Einzeltherapie. Sein Modell konzentriert sich auf die Verarbeitung und Transformation von Emotionen – etwa das Umwandeln von maladaptiver Scham in gesunde Wut oder Trauer. Später erweiterte er seinen Ansatz zusammen mit Rhonda Goldman auch auf die Paartherapie. Greenbergs Arbeit hat massgeblich dazu beigetragen, Emotionen als zentralen Wirkfaktor in der Psychotherapie zu etablieren.

Sue Johnson entwickelte die Emotionally Focused Therapy (EFT) als bindungsbasierten Ansatz für Paare weiter. Ihr Fokus liegt auf den Bindungsbedürfnissen und den emotionalen Kreisläufen zwischen Partner:innen. Später erweiterte sie das Modell um die Emotionsfokussierte Einzeltherapie (EFIT) und die Emotionsfokussierte Familientherapie (EFFT). Johnsons Modell ist heute der weltweit am meisten verbreitete und erforschte EFT-Ansatz in der Paartherapie.

Das Angebot von EFT Paartherapie Schweiz und die Inhalte auf dieser Seite beziehen sich auf Sue Johnsons Modell der Emotionally Focused Therapy.

Warum wir streiten: Bindungstheorie als Schlüssel

Das theoretische Fundament der EFT bildet die Bindungstheorie, begründet vom britischen Psychiater John Bowlby. Sie besagt: Das Bedürfnis nach emotionaler Nähe zu wichtigen Bezugspersonen ist ein angeborenes, grundlegendes menschliches Bedürfnis – nicht nur bei Kindern, sondern ein Leben lang. In einer Liebesbeziehung wird der Partner oder die Partnerin zur wichtigsten Quelle von Sicherheit und Trost.

Wenn diese Verbindung bedroht ist – durch Konflikte, Distanz oder Verletzungen – reagieren wir mit intensiven Emotionen. Das ist nicht Schwäche, sondern unser Bindungssystem, das Alarm schlägt. Bowlby beschrieb einen typischen Ablauf: Zuerst wütender Protest («Warum bist du nie da?!»), dann ängstliches Klammern, dann Verzweiflung – und schliesslich, wenn nichts hilft, emotionale Loslösung.

Die meisten Beziehungsprobleme drehen sich um drei Kernfragen:

  • «Bist du für mich da?»
  • «Kann ich mich auf dich verlassen?»
  • «Bin ich dir wichtig?»

Diese Fragen klingen einfach, berühren aber die tiefsten menschlichen Bedürfnisse. Ihre Beantwortung bestimmt massgeblich, wie sicher, zufrieden und stabil eine Partnerschaft ist.

So funktioniert EFT: Drei Phasen der Veränderung

Die emotionsfokussierte Paartherapie folgt einem klaren Ablauf in drei Phasen und neun Schritten. Eine Therapie dauert in der Regel 10 bis 20 Sitzungen.

Phase 1: Den negativen Kreislauf stoppen

Die meisten Paare stecken in einem sich wiederholenden Muster fest: Einer kritisiert und fordert ein, der andere zieht sich zurück und schweigt – der sogenannte Pursue-Withdraw-Zyklus. Die Forschung des Beziehungsexperten John Gottman zeigt, dass genau dieses Muster Trennungen am zuverlässigsten vorhersagt.

In der EFT wird dieser Kreislauf als das eigentliche Problem benannt – nicht die einzelnen Partner:innen. Gleichzeitig werden die Gefühle sichtbar, die den Kreislauf antreiben: die Einsamkeit hinter der Kritik, die Angst hinter dem Rückzug. Wenn Paare diesen «Tanz» als gemeinsames Problem erkennen, entsteht ein erstes Gefühl von Erleichterung – und Hoffnung.

Phase 2: Eine neue Verbindung schaffen

Die zweite Phase ist das Herzstück der Therapie. Hier geschehen die entscheidenden Veränderungen:

  1. Der zurückgezogene Partner lernt, sich wieder emotional einzubringen – über Ängste, Sehnsüchte und Bedürfnisse zu sprechen, statt zu schweigen.
  2. Der kritische Partner kann seine Verletzlichkeit zeigen und direkt um Nähe bitten, statt Vorwürfe zu machen. Diesen Moment nennt man Softening – und er ist der entscheidende Wendepunkt.

Die Forschung bestätigt: In erfolgreichen Therapien treten im Schnitt fünf solcher Softening-Momente auf. Bei Paaren ohne Therapieerfolg: keiner. Diese Momente emotionaler Offenheit schaffen eine neue Qualität der Verbundenheit.

Phase 3: Das Neue festigen

In der letzten Phase wird das Erreichte gefestigt. Das Paar entwickelt eine gemeinsame Geschichte: Wie sind wir in die Krise geraten – und wie haben wir zurückgefunden? Sie können jetzt Konflikte besser lösen, weil die emotionale Basis sicher ist.

Was macht EFT anders?

Die emotionsfokussierte Paartherapie unterscheidet sich in mehreren Punkten von anderen Ansätzen:

  • Emotionen statt Techniken: EFT arbeitet nicht mit Kommunikationsregeln, sondern mit den Gefühlen, die Beziehungen prägen. Emotionen werden nicht als Störfaktor betrachtet, sondern als kraftvoller Motor für Veränderung.
  • Keine Schuldzuweisungen: Die therapeutische Haltung ist respektvoll und nicht-pathologisierend. Probleme werden als nachvollziehbare Reaktionen auf Bindungsunsicherheit verstanden.
  • Wissenschaftlich belegt: EFT ist eine der am besten erforschten Paartherapien weltweit, mit über 35 Jahren kontinuierlicher Forschung.
  • Tiefgreifend und nachhaltig: Während andere Ansätze häufig mit Rückfällen zu kämpfen haben, zeigt EFT stabile Langzeitergebnisse.

Wie wirksam ist EFT?

Die Forschungsergebnisse zur emotionsfokussierten Paartherapie sind beeindruckend:

  • 70–75 % der Paare überwinden ihre Beziehungskrise vollständig.
  • Bis zu 90 % aller Paare berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beziehung.
  • Die Wirksamkeit von EFT liegt deutlich über dem Durchschnitt anderer Paartherapie-Ansätze – wissenschaftliche Vergleichsstudien bestätigen dies konsistent.
  • Die Ergebnisse sind langfristig stabil. In Nachuntersuchungen zeigten Paare sogar eine Tendenz zur weiteren Verbesserung nach Therapieende.
  • Auch stark belastete Paare profitieren: Der anfängliche Schweregrad der Probleme hat kaum Einfluss auf den Therapieerfolg.
  • Partner:innen, die sich schwertun, Gefühle auszudrücken, profitieren besonders stark von EFT.

(Quelle: Johnson, Hunsley, Greenberg & Schindler, 1999 – Meta-Analyse von randomisierten kontrollierten Studien)

EFT bei besonderen Heraus-forderungen

Bindungsverletzungen und Vertrauensbrüche

Manchmal wird eine Beziehung durch einen einzigen Moment erschüttert: Ein Partner war in einer kritischen Situation nicht da – bei einer Diagnose, einem Verlust oder einer tiefen Krise. Solche Bindungsverletzungen können das Vertrauen nachhaltig zerstören und den Weg zur Versöhnung blockieren.

Für genau diese Situationen hat Sue Johnson einen spezifischen Lösungsprozess entwickelt: Die Verletzung wird anerkannt, der verletzende Partner kann Reue und Mitgefühl ausdrücken, und die verletzte Person findet schrittweise zurück ins Vertrauen. Dieser Prozess wurde in mehreren Studien erfolgreich überprüft.

Trauma und PTBS

EFT wird erfolgreich bei Paaren eingesetzt, in denen ein:e Partner:in unter posttraumatischer Belastungsstörung leidet. Eine sichere Beziehung ist der stärkste Schutzfaktor gegen Traumafolgen – sie reguliert Stress, fördert emotionale Verarbeitung und wirkt der Isolation entgegen. Wie Bowlby sagte: «Emotionale Bindung ist der primäre Schutz gegen Gefühle der Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit.»

Sexualität und Intimität

Sexuelle Schwierigkeiten spiegeln oft die emotionale Dynamik einer Beziehung wider. Die emotionsfokussierte Paartherapie versteht Sexualität im Kontext der Bindungstheorie: Wenn die emotionale Sicherheit wiederhergestellt wird, verbessert sich häufig auch das Sexualleben – nicht durch Techniken, sondern durch emotionale Erreichbarkeit und Vertrauen.

EFT verändert auch das Gehirn

Neuere Forschung zeigt: EFT wirkt nicht nur auf das Verhalten und Erleben, sondern auch messbar auf das Gehirn. In einer Hirnbildgebungsstudie (fMRI) wurde nachgewiesen, dass Frauen nach erfolgreicher EFT eine deutlich geringere Stressreaktion zeigten, wenn sie die Hand ihres Partners hielten – im Vergleich zu vor der Therapie. Die sichere Bindung, die in der EFT entsteht, wirkt also buchstäblich als biologischer Regulator für Stress und Angst.

Für wen ist EFT geeignet?

Die emotionsfokussierte Paartherapie eignet sich für:

  • Paare in einer Beziehungskrise mit wiederkehrenden Konflikten
  • Paare, die sich emotional entfremdet haben
  • Paare nach Vertrauensbrüchen oder Affären
  • Paare, bei denen Depressionen, Angststörungen oder Traumata die Beziehung belasten
  • Paare mit sexuellen Schwierigkeiten
  • Paare, die gemeinsam eine chronische Erkrankung bewältigen

Nicht empfohlen wird EFT bei aktiver Gewalt in der Beziehung. In solchen Fällen wird zuerst Sicherheit hergestellt, bevor eine gemeinsame Therapie beginnen kann.

Sie suchen eine EFT-Therapeut:in in der Schweiz? Auf unserer Seite Therapeut:in finden können Sie nach zertifizierten Fachpersonen in Ihrer Nähe suchen.

EFIT – Emotions-fokussierte Einzeltherapie

Die Emotionsfokussierte Einzeltherapie (EFIT) überträgt die bewährten Prinzipien der EFT auf das Einzelsetting. Sie wurde von Dr. Sue Johnson entwickelt und basiert auf derselben bindungstheoretischen Grundlage wie die Paartherapie. EFIT eignet sich besonders für die Behandlung von Depressionen, Angstzuständen, Traumafolgestörungen und Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Im Zentrum steht die Arbeit mit Emotionen als Motor der Veränderung. Therapeut:innen helfen Klient:innen, ihre emotionalen Reaktionen zu verstehen, innere Arbeitsmodelle von Bindung zu erkennen und neue Wege im Umgang mit sich selbst und anderen zu finden. Zwei Hauptfaktoren sind entscheidend für die Wirksamkeit:

  • Die detaillierte Theorie der Persönlichkeitsentwicklung, bekannt als Bindungstheorie
  • Die systematische Bearbeitung der in der Therapiesitzung erfahrenen Emotionen

Für Fachpersonen, die EFIT kennenlernen möchten, bieten wir den Kurs EFIT Essentials an – eine kompakte Einführung in die Grundprinzipien der emotionsfokussierten Einzeltherapie.

EFFT – Emotions-fokussierte Familientherapie

Die Emotionsfokussierte Familientherapie (EFFT) erweitert den EFT-Ansatz auf das Familiensystem. Sie basiert auf den neuesten Erkenntnissen der Bindungsforschung und zielt darauf ab, das emotionale Band zwischen Eltern und Kindern zu stärken – über alle Lebensphasen hinweg.

Für eine stabile und sichere Familienumgebung ist es entscheidend, die lebenslangen Veränderungen innerhalb der familiären Dynamiken zu verstehen. Rollen und Einflüsse innerhalb der Familie entwickeln sich ständig weiter. Emotionaler Rückzug und Störungen in der Familie können oft psychische Probleme verursachen.

EFFT konzentriert sich auf:

  • Die Bindungsbedürfnisse von Kindern und das Fürsorgeverhalten der Eltern
  • Das Überwinden von Hindernissen in der Eltern-Kind-Beziehung
  • Die Förderung emotionaler Verfügbarkeit und Sicherheit im Familiensystem
  • Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit des gesamten Familienverbunds

Vertiefende Literatur zur EFFT finden Sie auf unserer Seite Buchempfehlungen.

Dr. Sue Johnson über emotionsfokussierte Paartherapie (Video auf Englisch)

EFT lernen: Ausbildung in der Schweiz

Für Fachpersonen, die EFT in ihre therapeutische Praxis integrieren möchten, bietet EFT Paartherapie Schweiz unter der Leitung von Ben Kneubühler ein umfassendes Ausbildungsprogramm an. Der Weg zur EFT-Therapeut:in beginnt mit dem EFT Externship – einem viertägigen Basistraining – und führt über Core Skills und Supervision bis zur Zertifizierung. Wer sich zunächst einen Überblick verschaffen möchte, findet mit den EFT Fundamentals einen kompakten Einstieg.

Häufige Fragen zu EFT

Wie lange dauert eine EFT-Paartherapie?

Was ist der Unterschied zwischen EFT und klassischer Paartherapie?

Ist EFT auch für gleichgeschlechtliche Paare geeignet?

Kann EFT helfen, wenn einer nicht über Gefühle reden kann?

Gibt es EFT auch als Einzeltherapie?

Wofür steht EFT?

Nächster Schritt

Ob Sie als Paar Unterstützung suchen oder als Fachperson EFT kennenlernen möchten – wir sind für Sie da:

Wissenschaftliche Quellen
  • Bowlby, J. (1988). A Secure Base. New York: Basic Books.
  • Johnson, S. M. & Greenberg, L. S. (1985). The differential effects of experiential and problem solving interventions in resolving marital conflict. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 53, 175–184.
  • Johnson, S. M. & Greenberg, L. S. (1988). Relating process to outcome in marital therapy. Journal of Marital and Family Therapy, 14, 175–183.
  • Johnson, S. M., Hunsley, J., Greenberg, L. & Schindler, D. (1999). Emotionally focused couples therapy: Status and challenges. Clinical Psychology: Science and Practice, 6, 67–79.
  • Johnson, S. M. (2004). The Practice of Emotionally Focused Couple Therapy. New York: Brunner-Routledge.
  • Makinen, J. A. & Johnson, S. M. (2006). Resolving attachment injuries in couples using EFT. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 74, 1055–1064.
  • Greenman, P. S. & Johnson, S. M. (2012). Process Research on EFT for Couples. Family Process.
  • Johnson, S. M. & Zuccarini, D. (2010). Integrating sex and attachment in EFT. Journal of Marital and Family Therapy.
  • Johnson, S. M., Coan, J. A. et al. (2012). Contact comfort: EFT promotes the social regulation of neural threat responding.